Johannes Enderle

Objekte für die Religionsausübung

Cover

Objektkünstler

Geboren am 23. 05. 1958 in Laichingen (Schwäbische Alb)
1976-1969 Schreinerlehre
1981-1987 Studium der Architektur an der FHT Stuttgart
1987 Diplomarbeit bei Prof. Lederer: „Pro Futura“-Denkpark auf der Schwäbischen Alb

seit 1988 freischaffend als Künstler tätig. Ausstellungen u. a. in der Peterskirche Vaihingen/’Enz, der Städtischen Galerie Filderstadt, der Siebenstern Galerie Wien, der ehem. Karmeliterkirche in der Wiener Neustadt, der Zeche Nachtigall Witten und der Galerie Altes Rathaus Musberg.


Götzenkäfig

Götzenkäfig


Grundfläche: 67 x 67 cm
Höhe: 133 cm

"Über den eigentlichen Inhalt des Götzenkäfigs kann nur spekuliert werden, die technischen Vorgaben waren jedoch klar: Es sollte sich um ein käfigartiges Gebilde handeln, auf dessen Abdeckplatte ein Symbol menschlicher Verirrung die Aufmerksamkeit des Betrachters hervorrufen würde. Man entschloss sich, dieses Symbol zugleich als Einwurfschacht auszubilden. Obwohl davon ausgegangen werden konnte, dass der Mechanismus im normalen Betrieb von einer aufsichtsführenden Person bedient wird, mussten bestimmte Sicherheitsanforderungen eingehalten werden. Das Samtpolster im Bodenbereich kann gegen eine flache Blechwanne ausgetauscht werden."

Einwurfschacht Schließmechanismus Katalogseite J&A

Die Wächter der sieben schlechten Jahre

Die Wächter der sieben schlechten Jahre


Breite: 153 cm
Tiefe: 53 cm
Höhe: 246 cm

"Bei der Planung dieses Objektes war die erhöhte Position der sieben Figuren oder Wächter von großer Wichtigkeit. Diese Position verdeutlicht das unbestechlich Schicksalhafte, welches sich nicht um menschliches Wollen kümmert. Hier z. B. ist das Thema der pharaonische Traum von den sieben guten und den sieben schlechten Jahren. Die Wächter symbolisieren die einzelnen Jahre, in ihrer Konstruktion sind sie identisch; sie unterscheiden sich lediglich durch die auf dem Mantel aufgebrachten ersten sieben Buchstaben des Alphabets."

Bockkran Traverse Katalogseite J&A

Gebeinstafette

Gebeinstafette


Durchmesser: 9,5 cm
Länge: 64 cm

"Das Überbringen einer Reliquie wird auch noch in der heutigen Zeit durch einen Kurier besorgt. Bei diesem muss es sich um eine zuverlässige Person handeln, welche bereit ist, die Unannehmlichkeiten einer langen Fußreise auf sich zu nehmen; man denke hierbei z.B. an eine Alpenüberquerung via historischer Pilgerpfade. Für ein solches Vorhaben wurde von J&A eine sogenannte Stafette entwickelt. Man muss diese Variante eines Tragereliquiars als reines Transportbehältnis verstehen, aus welchem am Bestimmungsort die Reliquienkapsel entnommen wird und das sich deshalb wiederholt verwenden lässt. Die Reliquienkapsel (D) ist in das hülsenförmige Gehäuse eingeschoben. Sie wird nach Aufsetzen des Deckels (E) mit einer Plombierung (F) gegen unkontrolliertes Herausnehmen gesichert.
Die Gelenkfessel ist durch eine Kette mit dem Grundkörper verbunden. Sie dient nicht dem Diebstahlschutz, sondern gewährleistet nur, dass der Kurier seiner Verpflichtung nachkommt und die Reliquie nicht einen Augenblick unbeaufsichtigt lässt. Sie wird bei der Entgegennahme der Stafette angelegt und ebenfalls verplombt (G); erst am Zielort darf sie durch eine befugte Person geöffnet werden.
Der Handgriff ist durch einen Schnellverschluss (H) mit dem Grundkörper verbunden und kann somit rasch abgenommen werden. Dies ist z. B. bei Mahlzeiten oder während der Nachtruhe von Vorteil.
Um ein angenehmes und sicheres Greifen zu gewährleisten, besteht das Griffteil aus mehreren hundert geschichteten Lederscheiben, diese bieten auch einen Schutz gegen unangenehme Kälte."

Stafettengehäuse Katalogseite J&A

Feldreliquiar

Feldreliquiar


Grundfläche: 100 x 100 cm
Höhe: 202 cm

"In seinem Grundkonzept entspricht dieses Objekt dem des Feldreliquiares mit Dreibeinstativ und Aufsatz. Der Unterschied zu jenem liegt darin, dass es bei dieser Ausführung möglich ist, die Reliquie sowohl in ihrer Lage, als auch in der Richtung exakt einzujustieren. Allerdings verträgt diese Konstruktion, mit ihrer ungeschützten Reliquie, keine raue Behandlung. Der Aufsatz sollte deshalb bei Nichtgebrauch in einem robusten Transportbehältnis aufbewahrt werden. Auf den Einbau einer Magnetkompassnadel musste verzichtet werden, da die Stahlkonstruktion starke Abweichungen hervorruft. Man bedient sich vorteilhaft eines Handkompasses und ermittelt die Himmelsrichtungen aus einer Distanz von mindestens einem Meter zum Reliquiar. Aus Stabilitätsgründen wurden für die Stativbeine Rundrohre verwendet, welche teleskopartig ausgezogen werden können. Dadurch ist ein Aufstellen in unebenem Gelände möglich. Die Klemmung erfolgt durch Kreuzgriffe. Nachteilig ist allerdings das relativ hohe Eigengewicht dieser Konstruktion. Durch den besonderen Verwendungszweck konnte man sich über die im Feldgebrauch verlangte, reflexarme Oberfläche, hinwegsetzen. Für die Umrahmung der Reliquie wurde eine auffällige Vergoldung gewählt."

Stativkopf Katalog J&A

Drehfeuer

Drehfeuer


Grundfläche: 110 x 110 cm
Höhe: 290 cm

"Um die Reliquie mit der Bezeichnung „Nr. 16277“ auf eine große Menschenmenge wirken lassen zu können, beschloss man, sie in ein sogenanntes Drehfeuer zu integrieren. In Bild 1 sieht man die Gesamtansicht des Objekts und zwar bezeichnet (A) das um seine Vertikalachse kontinuierlich rotierende Reliquiar, welches von einem vergoldeten Rahmen (B) umgeben ist. Das Gehäuse (C) enthält den Antrieb und die elektrische Steuerung. Die Bedienung erfolgt über drei in die Fronttüre eingelassene Drucktaster (D). Das Gehäuse ist auf einen Gittermast (E) aufgesetzt, dieser ruht auf vier Sockelsteinen (F), welche dem Ganzen einen sicheren Stand verleihen. Für den Betrieb bei Dunkelheit ist in das Reliquiar eine Beleuchtung integriert."

Ansicht des Drehfeuers Innenansicht des Steuergehäuse Katalog J&A

Telegraphenstation

Telegraphenstation


Sockeldurchmesser: 43 cm
Höhe: 217 cm

"Dem Betrachter dieses Objektes wird die verschwenderisch erscheinende Fülle der verarbeiteten Reliquien auffallen. Es soll als Rechtfertigung um die Veranschaulichung des komplizierten Vorganges einer metaphysischen Verbindung ging. Der Ähnlichkeit wegen wurde die Funktionsweise einer Telegraphenstation als Metapher herangezogen. Wie bei dieser geht es um die Eingabe (eines Textes), die Umwandlung (in Elektrizität) und die Weiterleitung (zum Empfänger). Die Ausgabe erfolgt über zwölf Isolatoren, deren Gegenstück sich bereits im nicht sichtbaren metaphysischen Raum befindet. Die Konstruktion wurde zur Veranschaulichung des beschriebenen Vorganges absichtlich transparent gehalten."

Transformator Dachständer mit Isolatoren Katalog J&A

Klappreliquiar

Klappreliquiar


Breite: 50 cm
Tiefe: 70 cm
Höhe: 185 cm

"Das Klappreliquiar im Ruhezustand. Zuweilen ist es an vielbesuchten Stätten wünschenswert, eine Reliquie vor respektlos-neugierigen Blicken zu schützen; trotzdem darf dem ernsthaft Suchenden ein Blick auf dieselbe nicht verwehrt werden. Eine Möglichkeit der technischen Umsetzung dieser Anforderungen bietet das abgebildete Klappreliquiar. Es war ursprünglich als Wandmodell vorgesehen, wurde jedoch aus Gründen eines möglichen Ortswechsels als Standmodell ausgeführt. Hier sieht man das Objekt in geschlossenem Zustand. Der sich in Augenhöhe befindende Aufsatz bildet einen aus stählernen Rippen bestehenden Hohlkörper, welcher in seinem Inneren die Reliquie verbirgt. Die Art dieser Ausführung war naheliegend, da es sich bei der verwendeten Reliquie um ein Organ handelt, welches im Inneren des Menschen seinen eigentlichen Platz hat. Der Aufsatz ist auf einem Gestell montiert, in welchem der Öffnungs-Mechanismus untergebracht ist."

Das Gehäuse Die Mechanik Katalog J&A

Standard-Reliquiar

Standard-Reliquiar


Länge: 15 cm
Breite: 8 cm
Höhe: 10 cm

Standard-Reliquiar Typ SR/E-8. Die elektrischen Leitungen werden an den seitlichen Polklemmen angeschlossen.

Wie in anderen Zweigen der Wirtschaft, ist man auch im Reliquiarbau gezwungen, den ständig steigenden Kosten entgegenzutreten. Dies geschieht durch die Schaffung eines Standard-Reliquiars, welches sich durch seine einfache Bauweise kostengünstig herstellen lässt. Ausgangspunkt der Konstruktionsüberlegungen war die Feststellung, dass der größte Teil der Reliquien eine längliche Form besitzt und selten die Länge von 25 cm überschreitet. Außerdem ist für die meisten Reliquien ein Gehäuse ausreichend, welches zwar dem Inhalt einen gewissen Schutz bietet, trotzdem aber ein ungestörtes Betrachten desselben zulässt. Es bot sich daher die traditionelle Form des Beinhäuschens an. Dieses kann je nach Erfordernis in verschiedenen Längen angeboten werden, bei Bedarf ist auch eine Vergrößerung des Gehäusequerschnitts möglich, allerdings ist letzteres erfahrungsgemäss selten notwendig.

Die Abbildung zeigt das Standard-Reliquiar Typ SR/E-8, wobei die Zahl „8“ die maximale Reliquienlänge in Zentimetern angibt.

Teilezeichnung Katalog J&A

Grubenreliquiar

Grubenreliquiar


Länge: 185 cm
Breite: 75 cm
Höhe: 44 cm

Soll ein Reliquiar für den rauen Einsatz im Bergbau geeignet sein, müssen bei der Konstruktion verschiedene Punkte beachtet werden. Wichtig sind vor allem große Stabilität, geringes Gewicht und einfache Handhabung.
J&A fertigte ein Grubenreliquiar, bei welchem versucht wurde, diesen Forderungen gerecht zu werden. Das Kernstück wird von einer luftdicht verschlossenen Glaskapsel mit einer Reliquie gebildet, die in ein laternenähnliches Gehäuse eingesetzt ist. Dieses Gehäuse ist wiederum in einem Rohrgestell untergebracht, welches bei Gebrauch mittels der ausschwenkbaren Holme von zwei Personen getragen werden kann. Die seitlich angeschweißten Schutzbügel verhindern Handverletzungen in engen Stollen.

Tragholme Entriegelung Katalog

Pilger-Kleinreliquiar

Pilger-Kleinreliquiar


Länge: 5,0 cm
Breite: 5,0 cm
Höhe: 1,6 cm

In den letzten Jahren ist verstärkt die Tendenz festzustellen, dass große Teile der Bevölkerung sich zu einer Pilgerreise entschließen. Die Gründe, um eine der bekannten Wallfahrtstätten aufzusuchen, sind unterschiedlich und wenn auch die Vermutung naheliegt, dass es sich hierbei um eine Modeerscheinung handelt, so ist mit Sicherheit ein kleiner Teil der Pilger als ernsthafte Wallfahrer anzusehen. Für jene wurde von J&A ein sogenanntes Pilger-Kleinreliquiar entwickelt. Im Gegensatz zu dem an anderer Stelle bereits vorgestellten Pilgerreliquiar handelt es sich hierbei um ein kleines, unauffälliges Behältnis, welches am Gürtel (Bild rechts) oder an einem Rucksackriemen mitgeführt wird. Bedingt durch die geringen Abmessungen kann es nur eine kleine Reliquie mit einer maximalen Länge von 25mm aufnehmen, wie sie beispielsweise bei der Anwendung des Fallhammers entsteht. Da es sich bei der eingesetzten Reliquie um einen wertlosen Knochenpartikel handelt, wurde der Deckel hier zur Demonstration mit dem Datum der Anfertigung versehen.
Es ist möglich, auf die Rückseite dieses Deckels ebenfalls etwas einzugravieren. Dies kann beispielsweise ein persönlicher Leitspruch oder ein Zitat sein, welches den einsamen Wanderer auf seinem Weg begleitet. Die Gravur ist im geschlossenen Zustand nicht sichtbar, und nur der Besitzer weiß um dieses, vor Blicken Anderer verborgene Geheimnis. Um zu gewährleisten, dass die Reliquie nicht durch Unbefugte ausgetauscht oder einfach entnommen wird, lässt sich der Deckel nach dem Festschrauben verplomben.

Messingkörper Gravierung Katalog

Pilgerreliquiar

Pilgerreliquiar


Breite: 40 cm
Tiefe: 20 cm
Höhe: 55 cm

Aus ergonomischer Sicht betrachtet, ist der Lastentransport auf dem Rücken am zweckmäßigsten. Diese Tatsache lässt sich auch für den Reliquientransport anwenden, sofern keine besonderen Gründe ritueller Art, wie z. B. bei der Knochenstafette dagegen sprechen. Die Abbildung zeigt das Pilger-Reliquiar, eine stabile Rohrkonstruktion für den Einsatz im Freien. Das Tragegestell besteht aus zwei senkrechten Holmen, welche durch abgewinkelte Traversen miteinander verbunden sind. Im oberen und unteren Bereich sind zwei breite Lederriemen gespannt, die bequem am Körper anliegen. Die ebenfalls ledernen Tragegurte sind abnehmbar. Die Reliquie befindet sich in einem hohen, schlanken Gehäuse mit frontseitiger Verglasung. Dieses Gehäuse kann aus dem Transportgestell durch Anheben eines Fingerhebels nach hinten herausgezogen werden. Es lässt sich auch umgekehrt in das Gestell einschieben, so daß die Sichtseite dem Rücken des Trägers zugekehrt ist und die Reliquie in diesem Fall von hinten nicht sichtbar ist. Obwohl das Reliquien-Gehäuse wasserdicht versiegelt ist, kann es bei Bedarf durch eine aus kräftigem Gewebe angefertigte Hülle vor den Einflüssen der Witterung geschützt werden. Die beiden abgewinkelten Verbindungsholme dienen gleichzeitig als Schutzbügel für das Reliquien-Gehäuse.

Ergonomie Konstruktion


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